Tag-Archiv: Völkerschlacht

Leipziger Friedensrundbrief November

Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.
Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Liebe Friedensfreundinnen und – freunde,
hier die demnächst anstehenden Termine mit Bitte um Weitergabe und natürlich Beteiligung ( der Newsletter als pdf).

1. Sonnabend 09. November Mahnwache an den Stolpersteinen Leipzig und anderswo
Wie bereits in den vergangenen Jahren hat das Friedenszentrum eine Mahnwache an den Leipziger Stolpersteinen angemeldet. Laut Bescheid des Ordnungsamtes werden wir von 17 Uhr bis 17.30 Uhr gemeinsam mit der Initiative „Stolpersteine putzen“ der Opfer der Nazi- Barbarei gedenken und deren individuellen Schicksale als Mahnung für das Heute in Erinnerung rufen. Unsererseits konnten parteiübergreifend erneut die derzeitigen beziehungsweise ehemaligen Bundestagsabgeordneten Dr. Barbara Höll (Die Linke), Monika Lazar (Bündnis 90/ Die Grünen), Dr. Thomas Feist (CDU) und Wolfgang Tiefensee (SPD) für Schirmherrschaft und Beteiligung an der Aktion gewonnen werden. Im Sinne der Sache gibt es diesmal keine eigene Auftaktveranstaltung am Standort der ehemaligen Synagoge. Gerade angesichts des laufenden NSU- Prozesses in München, der Diskussionen über Flüchtlingsunterbringung und Moscheebau in Leipzig und eines wieder zunehmenden Rassismus und Antisemitismus in der bundesdeutschen Gesellschaft ist es an der Zeit, mit der Teilnahme an den Veranstaltungen zum 75.Jahrestag der Pogromnacht und der Mahnwache ein persönliches Zeichen zu setzen. Da wo es möglich ist, sollte diesmal nicht nur die Opfer, sondern auch die Täter erwähnt werden. Viele Deutsche bereicherten sich bei der Plünderung der Synagogen, Geschäfte und Privatwohnungen oder erhielten für die Denunziation ihrer jüdischen Mitbürger einen Teil des beschlagnahmten Vermögens. Rudolf Petersen, Vorsitzender des Kriegsgerichts, das Fritz Wehrmann (Stolperstein Brandvorwerkstraße 46) und zwei weitere Matrosen verurteilte und nach der Kapitulation am 10. Mai 45 erschießen lies, machte nach dem Krieg in der Bundesrepublik Karriere als Geschäftsmann und beim Militärischen Abschirmdienst (MAD).

2. Freitag 08. November 18.00 Uhr Alte Börse
Die (fast) letzte Gelegenheit für „Ein einzig langes Donnergebrüll- Leben zwischen Pulverdampf und Freiheitsmythos“. „Das Theaterstück lässt den Herbst 1813 neu erleben. Den Alltag in Kugelhagel und Kanonengebrüll, Not, Flucht, Zerstörung, aber auch die Neugier auf die berühmten Feldherren. Ob es wohl der Zar war – oder Napoleon schon? Zwischen Leichtigkeit und tiefem Ernst entsteht in Liedern, Szenen und Erinnerungen ein Bild der Völkerschlacht, das unmittelbar berührt und zeigt, wie das Geschehen bis heute unsere Region, unseren Alltag und unser Denken prägt. Und wo wir Sachsen wieder mal standen: Immor off dor falschn Seite.“
Das Finale am 24.11., 15 Uhr, im Völkerschlachtdenkmal ist bereits beinahe ausverkauft, für die Alte Börse gibt es noch Karten. Schnellentschlossene also nicht zu lange gezögert….

3. Donnerstag 14. November 9.00 bis 11.00 Uhr Neue Messe, Eingangsbereich
Parteitag der SPD auf der Neuen Messe. Pax Christi Leipzig versucht einen Infostand anzumelden, der die anreisenden Delegierten nachdrücklich darauf hinweisen soll, dass in Punkto Rüstungsexport und –kontrolle oder atomarer Abrüstung von einer mitregierenden SPD so einiges getan werden könnte. Hilfe und Unterstützung sind willkommen. Wenn jemand Zeit und Lust hat, einfach melden.

4. Sonnabend 16. November ab 12 Uhr Dresden
Proteste gegen die Indienststellung der ersten sächsischen Einheiten der Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräfte. Diese sollen aus Reservisten bestehen und die Bundeswehr bei der Sicherung von militärischen Anlagen und ziviler Infrastruktur unterstützen, könnten aber auch zum Schutz der Bundeswehr beim Stadtfest oder allgemein zur Aufstandsbekämpfung eingesetzt werden. Und zwar im Inneren… Welcher Geist unter Aktiven der Bundeswehr herrscht, war Dienstag im ZDF bei Frontal 21 zu sehen (http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2021092/Frontal21-Sendung-vom-5.-November-2013#/beitrag/video/2021092/Frontal21-Sendung-vom-5.-November-2013). Da wird es bei den Reservisten nicht viel anders sein.
12.00 Uhr, vor dem Militärhistorischen Museum Dresden
13.15 Uhr, vor der Albertkaserne, seit 14.09.13 Graf-Stauffenberg-Kaserne, Marienallee 14
14.15 Uhr Demonstration durch die Äußere Neustadt zum Albertplatz, Abschlusskundgebung

5. Sonntag 17. November 11 Uhr Südfriedhof
„Städtische Gedenkfeier auf dem Südfriedhof. Erinnerung an die Opfer der beiden Weltkriege. Anlässlich des Volkstrauertages sind auf dem Südfriedhof verschiedene Reden geplant. Daneben werden Kränze niedergelegt und eine Schweigeminute für die Toten abgehalten.“ Mit dabei die Bundeswehr in voller Montur und mit Instrument, der eigenen Opfer der Auslandseinsätze gedenkend. Wie sollten an die Opfer Oberst (jetzt General) Kleins, Ex- Stabschef der Ex- 13. Panzergrenadierdivision, erinnern. Macht sonst nämlich keiner….

6. Sonntag 24. November 11 Uhr Krypta Völkerschlachtdenkmal
1813/2013 „Nahe der Schlacht“ – Ein Memorandum der kriegerischen Ereignisse des Jahres 1813
Licht.Wort.Klang.Installation. Friedensmeditation
Musik: Brunhild.FISCHER /Art l‘éternité
Licht: Julia Schäfer & Johannes Schmidt /KOPFFARBEN
Text: Elia van Scirouvsky

Letztmalig die etwas andere und ungleich würdigere Gedenkveranstaltung für die Opfer der Völkerschlacht. Das sollte mensch sich nicht entgehen lassen…
Hervorragend angelegte 6 (ermäßigt 4) Euro.
„Das Gesamtkunstwerk wird zur Erinnerung an die kriegerischen Ereignisse des Jahres 1813 gestaltet. Aus diesem Geschehen und dessen historischen Hintergründen verbreitete sich das entsetzliche Elend, unter dem hunderttausende Menschen zu leiden hatten oder gar starben und das über Jahre hinaus noch in allen gesellschaftlichen Bereichen zu spüren sein sollte. Den Konsequenzen soll gedacht werden, welche Krieg, Gewalt und Zerstörung verursachen. Ein gemeinsames und gewolltes Miteinander aller Menschen und Nationen in Europa ist der einzige Weg in eine gewinnende und friedliche Zukunft.“

7. Dienstag 03. Dezember 19 Uhr Versöhnungskirche Leipzig- Gohlis

13. Adventskonzert des Heeresmusikkorps der Bundeswehr
Nächsten Mittwoch bereits benefizend im Gewandhaus, dann als Überbringer der Friedensbotschaft im Advent. Während zivile Orchester landauf landab kaputtgekürzt und -gespart werden, präsentieren sich die uniformierten Uninformierten als Wohltäter. Was so nicht unwidersprochen bleiben sollte… Zur Anregung das Flugi der vergangenen Jahre.

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PM Friedensfahrt statt Schlachtgetümmel Völkerball statt Völkerschlacht

Am Sonntag kulminiert der Völkerschlacht- Jubiläums- Rummel in der Markkleeberger Weinteichsenke mit der historischen Gefechtsdarstellung von 6000 Uniformierten unter den begeisterten Blicken von 25 000 erwarteten Besuchern (freigegeben ohne Altersbeschränkung). „Das Szenario der Gefechtsdarstellung ist verbürgt und wurde von einer wissenschaftlichen Kommission entwickelt und geprüft.“, so die Veranstalter. Fehlen werden in der Darstellung allerdings tote und sterbende Menschen und Tiere, blut- und dreckverkrustete Klamotten, abgerissene Gliedmaßen und herumliegende Körperteile, Massenvergewaltigungen, nachfolgende Seuchen und zerstörte Gemeinden. Macht auch nichts, es geht ja um ein Event wie in der unguten alten Zeit: 30 Minuten Gottesdienst, vier Stunden hauen, stechen und kartätschen und dann eine Gedenkminute. Alles im Geiste von „Versöhnung und Verständigung“ in einem vermeintlich friedlichen und geeinten Europa, während die unerwünschten Eindringlinge ins gelobte Land an den Außengrenzen absaufen.
Diese Art Geschichtsverfälschung und romantischer Verherrlichung des Militärs darf nicht unkommentiert bleiben. Mit einer Fahrradtour und anschließender friedlich- sportlicher Betätigung am Rande des Pseudo- Gemetzels wollen wir gegen diese „lebendige Geschichtsdarstellung“ protestieren.
Die Fahrraddemonstration startet um 9 Uhr am Connewitzer Kreuz (Kochstraße) und umrundet während des Aufmarschs der Zuschauer bis 12 Uhr die Gefechtsfläche mit Zwischenkundgebungen in Nähe der Haupteingänge (Rilkestraße 10 Uhr, An der Hohle 10.45 Uhr, Dösener Weg 11.30 Uhr). Im Anschluss steht eine Grünfläche an der Bornaischen Straße für die sportliche und eine attac- Veranstaltung am Schillerplatz für die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Reinactment zur Verfügung. Wir laden alle trotz medialer Überflutung kritisch Eingestellten zur Beteiligung an der Tour oder den Zwischenkundgebungen ein.
Damit im nächsten Jahr keiner auf die Idee kommt, für eine erlebbare und lebendige Geschichtsvermittlung zum „Jubiläum“ des 1. Weltkriegs tausende Kilometer Schützengräben von der Ostsee bis zur Schweizer Grenze auszuheben und Giftgas „Made in Germany“ zu horten. Oder zum 75. des 2. WK symbolisch den Sender Gleiwitz zu überfallen und die Westerplatte zu bombardieren.

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Völker schlachten? Armeen abschaffen!

Im Oktober vor 200 Jahren tobte rund um Leipzig die blutigste Schlacht des 19. Jahrhunderts. Um die 5000- Einwohner- Stadt herum standen sich über eine halbe Million Soldaten der napoleonischen Großen Armee (Franzosen, Italiener, Polen, Sachsen, diverse Kleindeutsche…) und der Verbündeten (Russen, Österreicher, Preußen, Schweden, Briten, diverse Kleindeutsche…) gegenüber. Daher der spätere Name Völkerschlacht. Propagandistisch ging es Napoleon um die Verteidigung der Errungenschaften der französischen Revolution gegenüber reaktionären Königshäusern, den Verbündeten um die Befreiung Deutschlands von napoleonischer Fremdherrschaft. Real ging es um wirtschaftliche, dynastische und territoriale Interessen. Der Ausgang der Schlacht sollte über die Vorherrschaft und damit über die weitere politische Entwicklung Europas entscheiden. Die Völkerschlacht-Sieger Russland, Österreich und Preußen zementierten mit der Gründung der Heiligen Allianz 1815 ihre Sicht für die nächsten fünfunddreißig Jahre. Die erhofften und zugesagten demokratischen Freiheiten dagegen wurden den beteiligten Völkern verwehrt.
Am Ende der Schlacht hatten fast 100 000 der direkt Kämpfenden ihr Leben oder ihre Gesundheit verloren, Kollateralschäden nicht eingerechnet. Rund um Leipzig waren die Felder blutgetränkt und mit menschlichen und tierischen Kadavern übersät, die umkämpften Dörfer niedergebrannt, Kirchen und Friedhöfe in mit Sterbenden und Verwundenden überfüllte Lazaretten umgewandelt.
Einhundert Jahre später, am Vorabend des 1. Weltkrieges, wurde im Beisein des deutschen Kaisers das Völkerschlachtdenkmal eingeweiht und damit auf kommendes Schlachten eingestimmt. (Daran ändern weder die eventuellen guten Absichten der Erbauer noch die im Klotz eingebetteten Freimaurerzeichen etwas.)
Genau 200 Jahre später wird nun in der Markkleeberger Weinteichsenke „ein Ereignis von bisher unerreichter Dimension in der Reenactment-Szene“ zelebriert. Fehlen werden in der Darstellung allerdings tote und sterbende Menschen und Tiere, blut- und dreckverkrustete Klamotten, abgerissene Gliedmaßen und herumliegende Körperteile, Massenvergewaltigungen, nachfolgende Seuchen und zerstörte Gemeinden. Macht auch nichts, es geht ja um ein Event wie in der unguten alten Zeit:
30 Minuten Gottesdienst, vier Stunden hauen, stechen und kartätschen und dann eine Gedenkminute.
Da wird uns passend zur Rekrutierungskampagne der Bundeswehr mit Tschingderassabum, klingendem Spiel und Geschützdonner nahegebracht, wie „süß und ehrenvoll es ist, fürs Vaterland zu sterben“.
Die negativen Folgen des damaligen und insbesondere der heutigen Kriege werden bei all der Feierei kaum eine Rolle spielen- von Schlussfolgerungen für aktuelle (Militär-) Politik ganz zu schweigen. Die ja bekanntlich nur die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln ist. Alles im Geiste von „Versöhnung und Verständigung“ in einem vermeintlich friedlichen und geeinten Europa, während die unerwünschten Eindringlinge ins gelobte Land an den Außengrenzen absaufen.
Hoffentlich kommt dann nächsten Jahr keiner auf die Idee, für eine erlebbare und lebendige Geschichtsvermittlung zum „Jubiläum“ des 1. Weltkriegs tausende Kilometer Schützengräben von der Ostsee bis zur Schweizer Grenze auszuheben und Giftgas „Made in Germany“ zu horten. Oder zum 75. des 2. WK symbolisch den Sender Gleiwitz zu überfallen und die Westerplatte zu bombardieren.
Tucholsky hat Recht: „Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Kriege getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.“ Diese gilt es zu verhindern.

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Leipzig 1813 – 1913 – 2013. Europäische Geschichte. Mehr Friedensverantwortung

Forderungen von Leipziger Friedenszentrum e.V. und Friedensweg e.V.

Der Rückblick auf die Völkerschlacht vom Oktober 1813 mit dem hohen Blutzoll von 100.000 Toten kann kein “Jubiläum” sein. Der von Preußen als “Befreiungs-Krieg” bezeichnete Herbstfeldzug führte nicht zur bürgerlich-revolutionären Ablösung der Feudalordnung, sondern beförderte nur eine neue Gebietsaufteilung unter den Feudalmächten in Europa. Damit wurde die feudale Ausbeutung der Bevölkerung, besonders der bäuerlichen, die Bewahrung der militaristischen Herrschaftsformen und die Kleinstaaterei befestigt. Die bürgerliche Revolution von 1848 scheiterte. Das 1913 in Form einer Totenglocke fertiggestellte Völkerschlachtdenkmal läutete den 1914 auch von Deutschland ausgehenden 1.Weltkrieg ein, Der danach nicht überwundene deutsche Nationalismus und Militarismus führte durch die Nazidiktatur in den 2.Weltkrieg. Der deutsche Eroberungs- und Vernichtungskrieg 1939 – 1945 hatte ca. 55 Millionen Tote zur Folge. Bis heute gibt es keine hinreichende gemeinsame deutsch – deutsche Aufarbeitung der deutschen Verantwortung für diese Völkermorde und die politischen Konsequenzen bis zur Gegenwart. Wie sollte eine Botschaft des Gedenkens an die Kriegsopfer von 1813 mit Friedenserfordernissen der Gegenwart verbunden sein?

1. Der Massenschlacht 1813 folgten mit deutscher Haupt-oder Mitverantwortung Welt- und andere Kriege und Kriegsbeteiligungen bis jetzt. Heutige Erfahrungen zeigen: Kriege lösen keine Probleme und sind deshalb zu ächten.

2. Bewaffnete Konflikte sind vorrangig durch bi- bzw. multilaterale Verhandlungen zwischen den Konfliktseiten zu entschärfen und zu schlichten.

3. Seit Beendigung der Blockkonfrontation in Europa nach 1989 erfolgte noch keine generelle Abrüstung. Deshalb muss die weitere Rüstungsentwicklung gestoppt und damit das Rüstungsgebot der Europäischen Union aufgehoben werden.

4. ABC-Waffen sind global zu ächten. Der internationale Waffenhandel ist einzu-schränken und internationaler Kontrolle zu unterziehen. Alle in Deutschland noch immer einsatzbereit gelagerten US-Kernwaffen sind abziehen.

5. Die Rüstungskonzerne sind zur Wiedergutmachung bzw. zur Milderung von Kriegsfolgen, z.B. durch Minenräumen, zu verpflichten.

6. Die private Bewaffnung der Bevölkerung ist zu verringern. Die Schießsport-Vereine sind nicht mehr steuerlich zu fördern.

7. Der Friedenserziehung ist in der Bildung größerer Raum einzuräumen. Zivile wissenschaftliche Institutionen dürfen nicht für militärische Zwecke missbraucht werden.

8. Ein internationaler Friedensdienst für Versöhnung zwischen Konfliktselten ist durch die UNO weiter zu entwickeln. Die von der UNO proklamierten Grundsätze von Friedenskultur sind weltweit in praktische Politik umzusetzen.

Ganz Europa soll ein Kontinent wachsender Friedensverantwortung sein und mit den Völkern der anderen Kontinente friedlich zusammen leben. Ein Zeichen dafür setzten in Leipzig Zehntausende im Protest gegen den Irakkrieg 2003.

Leipzig, Oktober 2013

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Leipziger Friedensrundbrief Oktober

„Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Kriege getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.“                                                             Kurt Tucholsky

Liebe Friedensfreundinnen und – freunde,

in der nächsten Woche droht uns also der Jubiläumsrummel. Wobei selbst die offizielle Sprachregelung des Amtsblattes mittlerweile bei Gedenkwoche „im Zeichen von Frieden und Versöhnung“ angekommen ist. Die homepage wurde nicht geändert, ist halt ein schwer veränderliches Medium: www.voelkerschlacht-jubilaeum.de  Genug Gelegenheit, gesehen zu werden und sich einzubringen. Erfreulicherweise auch eine Fülle von kritischen, gedenkenden und wertenden Veranstaltungen, hier nur eine kleine Auswahl (Leipziger Friedensrundbrief als pdf).

1. Donnerstag              17.Oktober       19:00 Uhr          Stadtbibliothek Leipzig

Im Rahmen des Literarischen Herbstes “Die Völkerschlachterei” Ein pazifistisches Widerwort Lesung und Gespräch mit Dr. Günter Gentsch – Die Veranstaltung wird moderiert von Dr. Reiner Tetzner

2. Sonntag  20.Oktober, ab 9 Uhr  Connewitzer Kreuz/ Markkleeberg-Ost Friedensfahrt statt Schlachtgetümmel-Völkerball statt Völkerschlacht

6000 Uniformierte mit Pferden und Kanonen sowie 25 000 erwartete Besucher erinnern im Zeichen der europäischen Integration an die Völkerschlacht mit Gottesdienst, vier Stunden Ballerei und einer Gedenkminute. Allerdings ohne Tote, blut- und dreckverkrustete Klamotten, abgerissene Gliedmaßen und herumliegende Körperteile, Massenvergewaltigungen, nachfolgende Seuchen und zerstörte Gemeinden. So genau wollte es dann doch keiner nachstellen. Hat natürlich nix mit Geschichtsverdrehung und Militärverherrlichung zu tun. Finden wir trotzdem nicht toll, deswegen eine Fahrraddemonstation vom Connewitzer Kreuz und aufklärerische Präsenz vor (möglichst allen) Eingängen des Spektakels rund um die Weinteichsenke (Rilkestr., An der Hohle, Dösener Weg). Hängt ein wenig von der Mithilfe vieler ab, derzeit ist noch einiges im Fluss und jedwege Hilfe ist willkommen. Wer sich angesprochen fühlt, einfach melden oder vorbeikommen.

Im Anhang der (in einem Wort veränderte) Aufruf der Leipziger Gruppe von LEBENSLAUTE. Außerdem der alte Aktivierungsflyer (war wohl zu früh) von Friedensweg e.V. und das Völkerschlacht-Lied. Wer schon mal üben will. Weitere Orientierungstexte folgen, es kann natürlich auch jeder seine eigene Meinung kundtun. Jedenfalls noch und falls er/sie eine hat.

Zum Thema Reinactment: nächstes Jahr wird alles noch besser. Zum „Jubiläum“ des 1. Weltkriegs tausende Kilometer Schützengräben von der Ostsee bis zur Schweizer Grenze, Giftgas Made in Germany und noch viel mehr begeisterte Beteiligte. Außerdem soll zum 75. des 2. WK der Sender Gleiwitz überfallen und die Westerplatte symbolisch bombardiert werden. Die Bundeswehr hat ihre Beteiligung noch nicht zugesagt, aber auf jeden Fall wird Geschichte nur so erlebbar und lebendig.

3. Freitag 25.Oktober, 20 Uhr  naTo

„Den unbesungenen Helden- Ein szenisches Konzert “ von brassinezz

Musik von Eisler, Hollaender, Leip, Seegers, Weill…

Texte von Andersch, Brecht, Elstermann, Ramus, Rushdie, Suttner, Zwerenz…

4. „Ein einzig langes Donnergebrüll- Leben zwischen Pulverdampf und Freiheitsmythos“

Nächste Termine:

16.10.               Leipzig             Aula des Heisenberg- Gymnasiums

18.10.               Brandis            Musikarche

08.11.               Leipzig             Alte Börse

24.11.               Leipzig             Völkerschlachtdenkmal

5. Mittwoch 23.10.2013 18 bis 19 Uhr

amina – antimilitaristische nachrichten im Rahmen von Statement auf radio blau

99,2 MHz, sowie: 94,4 MHz & 89,2 MHz oder 97,9 MHz (Kabelnetz der Primacom)

Das Radiofeature zur Völkerschlacht „Geh denken!“ wurde komplett überarbeitet und entstanden sind fünf Kalenderblätter als ein Teil des Beitrages von Radio Blau zu Imagine Europe. Drei davon zur Reflexion nach der Schlacht….

6. Sonntag 11. November, 11.00 Uhr Völkerschlachtdenkmal Krypta

1813/2013 „Nahe der Schlacht“ – Ein Memorandum der kriegerischen Ereignisse des Jahres 1813

Licht.Wort.Klang.Installation.                 Friedensmeditation

Wer es das erste Mal verpasst haben sollte, hier die vermutlich letzte Gelegenheit…

7. fireworks and smoke bombs

Unter diesem Label (und einem sehr schönen logo) läuft derzeit oder demnächst:

Eriz Moreno Aranguren/Constanze Müller „18192013“ – Analyse des Völkerschlachtdenkmals und Völkerschlacht                       Ort: Stadtraum Leipzig, Zeitraum: 11.-31.10.2013

Sven Bergelt                53 Kommentare (Audioinstallation)

Ort: Kalthalle des Fotomuseums in Markkleeberg      Raschwitzer Straße 11-13, 04416 Markkleeberg

Zeitraum: 11.-20.10.2013 / Eröffnung am 11.10.2013, 18.00 Uhr

Bertram Haude             International Shattered Liberation Force – ISLF (Performance)

Ort: In und um Leipzig, Zeitraum: 17.-20.10.2013

Susanne Kaiser            Kindliche Freuden

Ort: Leipzig, Lützner Straße/ Odermannstraße    Zeitraum: 12.-31.10.2013 (Tag und Nacht)

Kornelia Kugler/ Lena Siebertz              Gegengift

Ort: Parkplatz Völkerschlachtdenkmal  Zeitraum: 18.10.2013

Verena Landau                         Konsumschlachtendenkmal (Malerei/Collage)

Ort: Außenfassade/Höfe am Brühl (angefragt)        Zeitraum: vorr. vom 16.-31.10.13

Monica Sheets             Stimmen der Ruhmeshalle (Audioinstallation)

Ort: Ruhmeshalle des Völkerschlachtdenkmals Zeitraum: 16-20.10.2013 / Öffnungszeiten beachten

Andreas Ullrich             Schlachtformationen

Ort: Verschiedene Einkaufscenter im Raum Leipzig   Zeitraum: 20. auf den 21.10.13

Weitere Infos unter: http://fireworksandsmokebombs.de

Friedliche Grüße und viel Spaß beim aktiv werden

Torsten

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Leipziger Friedensrundbrief September 2013

Wir brauchen aus gegenseitigem Mißtrauen keine stehenden Heere von vielen hunderttausend Mördern mehr zu füttern.                                                Heinrich Heine

Liebe Friedensfreundinnen und – freunde,

die inhaltliche Arbeit kommt leider ob der vielen Termine etwas zu kurz, man kann eben nicht alles haben. Aber es wollen…

1. amina – antimilitaristische nachrichten auf radio blau

99,2 MHz, sowie: 94,4 MHz & 89,2 MHz oder 97,9 MHz (Kabelnetz der Primacom)

Mittwoch, 18.09.2013, 18 bis 19 Uhr

Der erste Teil des Radiofeatures zur Völkerschlacht: Geh denken!. Wegen Überlänge mit extra Sendetermin Teil 2 am 25.09. auf demselben Sendeplatz.

Außerdem: Interview mit Brunhild Fischer zur Veranstaltung „Nahe der Schlacht“ (siehe Punkt 2) und Reflexionen vom Götz/ Radio Corax Halle zum Versuch, den verlorenen Afghanistankrieg wie dereinst Rambo in Vietnam nach- bzw. vorträglich wenigstens medial zu gewinnen. Betrifft „Oberst Klein- Eine mörderische Entscheidung“ im zwangsfinanzierten ÖRF (Öffentlich-rechtliches Fernsehen). Nicht nur Steuergelder werden für Militärwerbung verschwendet…

völki_2013_092. Freitag          20. September 20.30 Uhr          Völkerschlachtdenkmal Krypta

1813/2013 „Nahe der Schlacht“ – Ein Memorandum der kriegerischen Ereignisse des Jahres 1813

Licht.Wort.Klang.Installation.                Friedensmeditation

Kostet ein wenig Geld, obwohl alle Künstler für lau mitmachen. Wird sich aber lohnen und hebt sich wohltuend ab vom „Jubiläums“brimborium und sollte nicht verpasst werden. Genaueres im Anhang…

Sehr empfehlenswert auch „Ein einzig langes Donnergebrüll- Leben zwischen Pulverdampf und Freiheitsmythos“ mit den nächsten Terminen am 20.09. im asisi Panometer Leipzig und am 28.09. im Schloss Belgershain. Im Panometer sicher besonders eindrucksvoll…

3. Mahnwache an den Stolpersteinen 09.11.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“

Der Kölner Künstler Gunter Demnig zitiert zur Begründung seiner Bodendenkmäler „Stolpersteine“ den Talmud. In diesem Sinn hat er zur Erinnerung an über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas Stolpersteine vor den letzten frei gewählten Wohnorten von Opfern der nationalsozialistischen Terrorherrschaft verlegt.

In diesem Jahr jähren sich die Ereignisse der Pogromnacht vom 09. November 1938 zum 75. Mal. Zur Vorbereitung der Gedenkaktion laden wir alle bisher Beteiligten und neu Interessierten für Mittwoch, den 25.09., ab 18 Uhr in das Café Tiefensee am Standort der ehemaligen Synagoge in der Gottschedstr. zur Ideenfindung und Koordinierung ein.

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