Tag-Archiv: Montagsmahnwache

Im Süden nichts Neues – Anmerkungen zur Diskussion

Anmerkungen zum Erfahrungsbericht von “Kritischer Frieden Leipzig” vom 24. Juni 2015 zur Veranstaltung „Wessen Frieden ist der Frieden? Ein Jahr nach den Montagsmahnwachen“ im linxxnet am 17.06.15

Zu den meisten Argumenten der VerfasserInnen liegen ausreichend Erklärungen und Gegenerklärungen vor, deswegen nur eine persönliche Erklärung:

  1. Im bundesdeutschen Vereinsrecht gibt es keine Sippenhaftung. Weder die Mitglieder noch der Vorstand eines Vereins sind dafür verantwortlich, was andere Mitglieder bei irgendwelchen Veranstaltungen gesagt oder getan haben. Erst recht nicht für das, was dem Verein Nahestehende gesagt haben. Erst recht nicht für das, was irgendwer irgendwo nicht gesagt hat. In straff strukturierten losen Zusammenhängen wie KFL mag dies ja anders sein. Als Sekundärliteratur sei GG Art 5, (1) empfohlen. Auch wenn sich kaum noch eine/r dran hält.
  2. Schon der Gedanke, den Courage-Preisträger, Ex-Extremismusklausel-Unterzeichner und aufrechten Antifaschisten Frank Kimmerle mit irgendjemand auf eine Stufe stellen zu wollen, liegt mir fern. Geschweige denn ihn herabzusetzen. Es handelt sich hierbei um eine –übliche? böswillige?- Unterstellung und Fehlinterpretation seitens KFL.
  3. Um auch mal sinnentstellend (fehl?)zuinterpretieren: „Methoden, die politische Linke als Deckmantel zu verwenden, um sich in ein gemachtes Nest zu setzen und damit gesellschaftliche Akzeptanz … zu schaffen, müssen aufs deutlichste zurückgewiesen werden.“ (Quelle: Erfahrungsbericht KFL, mit Auslassungen). Genau. Selbst wenn es sich um das ungemachte Nest der Friedensbewegung handelt. Andere Methoden von KFL werden hoffentlich auch nicht übernommen.
  4. Aus Zeitgründen werde ich an der weiteren Selbstdemontage von KFL in absehbarer Zeit nicht aktiv mitwirken können. Tut mir leid.

Torsten Schleip

Bundesprecher der Deutschen Friedensgesellschaft- Vereinigte KriegsdientsgegnerInnen (DFG- VK)

Vorsitzender Friedensweg Leipzig e.V.

Vorsitzender Friedenszentrum Leipzig e.V.

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Offener Brief Leipziger Friedensbewegter an die Couragepreisträger/innen

Offener Brief Leipziger Friedensbewegter
zur Stellungnahme der Courage-Preisträger/innen
Sehr geehrte Courage-Preisträger/innen,
aus verschiedenen vorausgegangen Auseinandersetzungen ist für die im Bündnis Leipzig gegen Krieg tätigen Personen und Gruppen unschwer zu erkennen, dass sich Ihr Aufruf in erster Linie gegen uns und unsere Aktionen richtet. Leider hat sich keine/r von Ihnen die Mühe gemacht, vorab Kontakt zu uns aufzunehmen. Wir sind über diese Entwicklung sehr besorgt und bestürzt, weil sie die ohnehin nicht große Gruppe langjähriger Friedensaktivisten in Leipzig diffamiert und der Friedensbewegung in unserer Stadt erheblichen Schaden zufügt.
Hier ein Abriss der Ereignisse des letzten Jahres: Wir haben in Leipzig an den Montagsmahn-wachen teilgenommen und dort eine große Anzahl von Menschen getroffen, die wie wir über die zunehmende Kriegsgefahr beunruhigt waren und nach Antworten suchten. Mit welcher Absicht wir dieses taten, könnten Sie in der Erklärung „Für eine solidarische Auseinandersetzung mit den Montagsmahnwachen“ vom Mai 2014 nachlesen (https://mikenagler1.wordpress.com/2014/05/19). Einige Mitglieder unseres Zusammenhangs hielten Redebeiträge, andere thematisierten die notwendige Abgrenzung nach rechts auf den Vorbereitungstreffen. Leider wurden wir in unseren Bemühungen, diese Bewegung entsprechend den Ansprüchen der Friedensbewegung zu gestalten, allein gelassen. Daher dauerte es bis Juni 2014, bis es in Leipzig zur Trennung der Mahnwachen kam. Unter anderem verließen uns auch später bei Legida Gelandete. Wir haben unsere Veranstaltungen weiter durchgeführt, weil wir den Menschen, die gegen Krieg und Gewalt Gesicht zeigen wollten, aber mit rechten oder antisemitischen Forderungen nichts gemein hatten, entsprechend der formulierten Ziele ein Podium geben wollten. Mit Sicherheit hat es dabei Schwächen gegeben, aus denen man lernen muss. Nur wer nichts macht, macht nichts verkehrt…
Diese Tatsachen sind den Unterzeichnern der Erklärung bekannt, werden aber völlig negiert. Stattdessen stellen wir fest, dass in einer Form gegen uns Front gemacht wird, die nur als verleumderisch bezeichnet werden kann und die auf die Zerschlagung eines Teils der Friedensbewegung in der Stadt hinaus läuft. Vorwürfe der Zusammenarbeit mit rechten Gruppen werden nur durch ständige Wiederholungen begründet. Erklärungen und mehrfach abgegebene eindeutige Abgrenzungen sowie das bisherige Wirken der Kritisierten werden nicht zur Kenntnis genommen. Gleich einer Gesinnungspolizei wird reglementiert, wann, mit wem und zu welchen Themen Friedensarbeit möglich sei. In Leipzig und anderswo sehen wir den Versuch, eine verdienstvolle Friedensbewegung auszuschalten und deren Mitglieder persönlich zu diffamieren, indem man ihnen ohne jegliche Begründung gemeinsame Sache mit rechten und antisemitischen Kräften unterstellt. Dagegen verwahren wir uns entschieden.
Es stellt sich die Frage: Wem nützt diese Diskreditierung einer gewachsenen Friedensbewegung in Leipzig und der Bundesrepublik? Wir haben den Eindruck, dass es nicht mehr um die ursprünglich gemeinsame Sache – nämlich Erhaltung und Festigung des Friedens – geht, sondern um „Markt-bereinigung“, um die Durchsetzung von Alleinvertretungsansprüchen und um einen politischen Verdrängungswettbewerb, realisiert durch Diffamierung und Desinformation. Es gehört nicht die Spur von Courage dazu, zusammen mit den politisch rechten Flügeln der Parteien und im Gleich-klang mit den meisten Medien gegen uns Leipziger Friedensaktivisten vorzugehen. Courage gehört eher dazu, den militärischen Mißbrauch des Flughafens, die Stationierung und Modernisierung der Atomwaffen in Büchel, die Rekrutierung an Schulen, die Rüstungsexporte in Krisenzonen, die schleichende, zunehmende Akzeptanz von kriegerischen Mitteln als Teil der Außenpolitik, den Aufbau neuer wie alter Feindbilder… scharf zu kritisieren und zu attackieren.
Setzen Sie Ihre wichtige antirassistische Arbeit auch mit uns fort und behindern Sie nicht die Anstrengungen derer, die sich zum Teil seit Jahrzehnten auf den Straßen, den (Truppenübungs-) Plätzen und vor den Waffenschmieden der Militarisierung der Gesellschaft entgegenstellen.
Protestieren Sie mit uns, wenn im Juni beim Leipziger Stadtfest oder der Premiere des „Tages der Bundeswehr“ Kanonenfutter für verfassungswidrige Auslandseinsätze angeworben wird!
Eine notwendige, auch kontrovers geführte Diskussion über Mahnwachen und Friedenswinter sollte zur Stärkung und Aktivierung der Friedensbewegung führen.
Offener Brief Leipziger Friedensbewegter
zur Stellungnahme der Courage-Preisträger/innen
Erstunterzeichnerinnnen und -unterzeichner:
Maritta Frenzel
Dr. Christel Hartinger
Dr. Helga Lemme
Marlis Michel
Harriet Schubert
Ingo Klein
Lutz Metzger
Mike Nagler
Torsten Schleip
Johannes Schroth
Peter Vonstein
Weitere Unterstützerinnen und Unterstützer an:
webmaster@leipzig-gegen-krieg.de
torsten@friedensweg.de

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eine Diskussionsbeitrag auf den Aufruf zum “Kritischen Frieden”

Liebe Friedensfreundinnen und –freunde,

Sie halten es für sinnvoll und für die Friedensbewegung erforderlich, zu einer neuen >Friedensinitiative< aufzurufen. Dazu haben Sie einen Gründungsaufruf ins Netz gestellt, der mich veranlasste, diesen Brief zu schreiben. Es wird ein offener Brief im doppelten Sinne sein: ich werde mit meiner Meinung nicht allzu zurückhaltend umgehen und ihn für Interessierte mit der Bitte öffentlich machen, sich so oder so dazu zu verhalten.

>Kritischer Frieden. < Ein Gründungsaufruf Leipziger Bürger_innen. http://kritischerfrieden.blogsport.de/

Versuch einer Antwort:

(Die Originaltexte wurden als Zitate gekennzeichnet. Die Antwort bzw. Bemerkung dazu kursiv gesetzt.)

„Anlässlich der alljährlich stattfindenden Ostermärsche sehen wir den Zeitpunkt gekommen, zu einer neuen Friedensinitiative aufzurufen. Wir sind es leid zu beklagen, dass die Friedensbewegung keine Resonanz findet, obwohl die Sehnsucht nach Frieden und die Angst vor Krieg längst mehrheitstauglich sind.“

Wohl wahr, dass Friedensehnsucht und Kriegsangst mehrheitlich zu Aktionen führen könnten, wenn nicht immer wieder neue Gruppen und Grüppchen mit dem Anspruch auftauchen würden, den >Stein der Weisen< zur Entwicklung einer breit angelegten Friedensbewegung gefunden zu haben. Aber nicht genug damit, werden andere Bemühungen mit anderen Leitbildern aber ähnlichen bis gleichen Zielen diffamiert, falsch interpretiert und Aussortierung aus der Friedensbewegung empfohlen. Ich kenne honorige Persönlichkeiten, die sich der Friedensbewegung zugehörig fühlen und doch angewidert von dieser ideologisch motivierten Besserwisserei, zurückzogen. Der Anspruch der >neuen Friedensinitiative<, mehrheitstauglich zu sein, ist ein Widerspruch in sich und hat deshalb keine Chance. Es wird ein weiterer Akteur sein, der irgendwo herumsteht, mal mehr, mal weniger Leute um sich herum versammelt als die anderen, und glaubt durch Herabsetzung der anderen Einfluss zu gewinnen.

Für uns steht fest, dass die bisherigen Versuche der „Friedensbewegung“ in Leipzig weitgehend als gescheitert angesehen werden müssen.

„Für uns steht fest“. Schon diese Formulierung zeigt, dass die Gründer einer neuen Friedensbewegung nicht von dieser Welt sein wollen. Wenn die Wörter auch im Zusammenhang mit dem vermeintlichen Scheitern der „Friedensbewegung“ gebraucht wurden und deshalb nicht unbedingt falsch sein müssen, leider, zieht sich durch den ganzen Text dieser Geist des: „Es steht fest!“ Es ist ein unseliger Geist, der verhindert, den widersprüchlichen und hochkomplizierten Prozess zu erkennen und zu verstehen, dass auch mit der Friedensbewegung verbundene Menschen zu widersprüchlichen Handeln, Denken und Äußerungen verdammt sind.

„Eine Friedensbewegung, die es nicht schafft, sich von menschenfeindlichen Einstellungsmustern und Verschwörungsideologien abzugrenzen und den Boden für die rassistischen Aufmärsche von Legida mitbereitet hat, hat ihre Legitimationsgrundlage verloren.“

Das ist nun blanke Diffamierung und kann nur gewollte Fehlinformation sein. Die in einem längeren Prozess entstandene Erklärung der trad. Leipziger Friedensbewegung, lässt solche Schlussfolgerungen nicht zu. Nach meiner Einschätzung ebenso wenig die Treffen, die Montags stattfinden und an denen ich ab und zu teilnehme.

Von Montagsmahnwachen bis zu Legida, Friedensbewegung goes Querfront – der ganz rechte Friede.“

Dieser den größten Teil des Aufrufes einnehmende Abschnitt und deshalb wohl als Kern anzusehen,   ist einfach nur infam. In bunter Reihenfolge werden zu kritisierende und zu verurteilende Erscheinungen in der Friedensbewegung der letzten Jahre zusammengemischt und als übles Gebräu der trad. Leipziger Friedensbewegung übergegossen. In diesem Abschnitt sind so ziemlich alle Regeln missachtet worden, die redliche Autoren einhalten würden. Beispiele? Bitte:

„.. Schnell wurden auch Verbindungen in den offen neonazistischen Bereich deutlich. Es kann daher nicht verwundern, wenn immer wieder Personen aus dem Dunstkreis der NPD dort auftauchten,..“

Bei einer öffentlichen Veranstaltung mit offenem Mikrofon kann leider nicht verhindert werden, dass solche Leute mit dabei stehen und sogar zu Worte kommen. Vielleicht war am Anfang das Bemühen um Toleranz größer als die Einsicht, noch deutlicher dagegen aufzutreten. Heute wird so etwas früher unterbunden und es wird dagegen deutlich aufgetreten.

„….Damals wie heute wird der Regierung der Kampf angesagt, die Revolution propagiert und nach außen hin erfolgt eine rigide Abschottungspolitik.

Ja was denn nun? Rigide Abschottungspolitik oder zu offen gegenüber falschen Propheten? Weder wird der Regierung der Kampf angesagt, allenfalls bestimmten friedensbedrohenden und durch die Regierung beschlossenen Maßnahmen – z.B. Waffenexporten, Modernisierung von Atomwaffen in der BRD, „Wehrunterricht“ an den Schulen usw. – noch die Revolution propagiert. Wenn das so behauptet wird, muss die Anwendung der Methode der >Zersetzung< des politischen Gegners vermutet werden. So tief sollte niemand sinken.

„…Gegen Kritik wird sich immuninisiert: Kritiker_innen werden als uninformiert und unaufgeklärt bezeichnet. Dies ist umso mehr verwunderlich, da eines der Sprachrohre der Bewegung angab sein Wissen maßgeblich aus Youtube zu beziehen. ….“

Geraune über Kleinkram und Hinterzimmerinterna. Was für ein Niveau im Gründungsdokument einer Bewegung, die antritt, endlich eine große Friedensbewegung zu werden.

Eigentlich wollte ich noch auf mehr Passagen eingehen, aber ich merke, dass in mir der Zorn hochsteigt und das ist kein guter Ratgeber bei einem analytischen Versuch. Etwas geht aber noch:

„…Es kann für eine Friedensbewegung kein emanzipatorisches Projekt sein, der Homophobie und dem Nationalismus von Putin zu huldigen. …“

Das ist intellektueller Schwulst, verbunden mit primitiver Diffamierung durch Kolportierung von Unwahrheiten über die Leipziger trad. Friedensbewegung. Was für ein Niveau in einer Auseinandersetzung.

Natürlich wird auch nicht auf die ganz große Keule verzichtet, den Antisemitismusvorwurf oder die Nähe dazu:

Statt offensiv menschenfeindliche Einstellungsmuster wie Antisemitismus offen zu thematisieren, werden diese ignoriert, solange wie es gegen den scheinbar gleichen Feind geht: „Amerika“ und das „Kapital““

Was für ein Gründungsdokument, das im Wesentlichen im Angriff auf einen selbst geschaffenen Popanz besteht und in der Diffamierung von potenziellen Mitstreitern.

Unter den Erstunterzeichnern befinden sich Menschen, denen ich bisher gern zugehört habe, auch wenn ich nicht mit ihnen einverstanden sein konnte. Ihre Worte haben Eindruck hinterlassen und wurden erwogen. Kann es sein, dass sie allzu schnell und leichtfertig einem ärgerlichen Impuls nachgegeben haben und sich jetzt dort wiederfinden, wo sie mit ihrem intellektuellen und redlichen Anspruch keinesfalls hingehören?  

Versuch eines Ausblicks:

Da ich weder ein Protagonist oder Organisator der trad. Leipziger Friedensbewegung bin, allenfalls ein >Bei-Steher< im Sinne des Wortes, rufe ich meinerseits zu einer neuen >Friedensbewegung< auf, natürlich nur rethorisch:

Frauen und Männer, die ihr in euch das Bedürfnis spürt, öffentlich zu dokumentieren, dass euch das Spiel der Mächtigen mit dem Feuer große Sorge bereitet, ihr den Frieden durch die Interessen der Globalplayer ernstlich und aktuell bedroht seht, ihr nicht den Glauben verloren habt, dass viele Menschen auf den Straßen den Lauf der Dinge doch in ihrem Sinne beeinflussen können, euch das Gezänk um die wahre Wahrheit in der Friedensbewegung empört und anödet, nehmt euch die Zeit, am Montag auf den Augustusplatz zu kommen, um der Leipziger Friedensbewegung beizustehen.

Man wird doch noch mal träumen dürfen: Hunderttausend Menschen ohne große Fahnen und professionelle Transparente auf dem Augustusplatz und den angrenzenden Straßen, vereint mit dem einzigen Wunsch: >Ohne uns< und >Kein Krieg mit Niemand!<. Und selbst die selbsternannten >Tugendwächter< sind dabei und halten sich zurück.

Mit freundlich-friedlichen Grüßen

Johannes Schroth

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