Tag-Archiv: Legida

Leipziger Friedensrundbrief Juli 2015

„Die entfesselte Macht des Atoms hat alles verändert, nur nicht unsere Denkweise … Wir brauchen eine wesentlich neue Denkungsart, wenn die Menschheit am Leben bleiben will.“
Albert Einstein

Der 70. Jahrestag der Atombombernabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki wäre eine gute Gelegenheit, über den Wahnsinn atomarer Bewaffnung neu zu denken. Angesichts der alten Atomwaffen- Modernisierungsankündigungen der NATO und den neueren Russlands ist Eile geboten.

Leipziger Friedensrundbrief als pdf
1. Nachtrag Bundeswehr auf Stadtfest und 1. Tag der Bundeswehr
Unser Agieren auf dem Stadtfest wurde überwiegend begrüßt, auch wenn wir diesmal etwas weiter weg standen und nicht so gut wahrnehmbar waren. Der Platz ums Demokratrie-Ei wurde bezeichnenderweise dem Kommerz überlassen. Erstmalig gab es noch Aktivitäten Anderer gegen das Rekrutierungsspektakel. Der Dank gilt allen Beteiligten.
Auch zum Tag der Bundeswehr am 13. 07. waren wir vor der Kaserne gut sichtbar präsent und die spontane Aktion auf dem Gelände fand vielleicht nicht die Zustimmung, aber wenigsten die Aufmerksamkeit des Ministerpräsidenten des Schreistaates Fachsen. Er kam dann auch wie angekündigt bei der Mahnwache vorbei- chauffiert in der Dienstlimousine. Gefühlt 10 Sekunden in der Tagesschau waren auch noch drin.

2. Pacemaker Freitag 03. Juli ab 17 Uhr Nikolaikirchhof
Zum zweiten Mal machen die „Pacemakers- Schrittmacher für eine friedliche und gerechte Welt ohne Atomwaffen“ auf ihrer Fahrt nach Berlin in Leipzig Station. Diesmal wird Bürgermeister Rosenthal gemeinsam mit Vertretern der veranstaltenden DFG-VK die RadlerInnen der Tour und die Radsportgruppe von Roter Stern Leipzig auf dem Nikolaikirchhof (geplant gegen 17.45) begrüßen. Natürlich offen für alle. Genaueres in der PE im Anhang und hier. Soll auch wieder so heiß wie im letzten Jahr werden, nur diesmal pünktlicher.

3. Friedenswache/ Proteste gegen Legida Montag 06.Juli ab 18 Uhr
Vier Wochen sind schnell herum, sie kehren aus der Provinz zurück. Protest ist mehr denn je angesagt. Friedenswache ab 18 Uhr an der Grünfläche neben Hugendubel und dann anschließend oder gleich bei den stattfindenden No legida- Veranstaltungen mitmachen. Vieles ist noch in Vorbereitung, aktuelles unter www.facebook.com/nolegida. Dort jetzt schon dieses:
„Am Montag 6.7. erwartet uns diesmal nicht nur Legida. Nein, auch die Dresdner Schwester Pegida will jetzt jedes Mal in Leipzig mit marschieren. Lutz Bachmann kündigte gestern persönlich an, dass man sich Leipzig holen wolle.
Wir rechnen also damit, dass dieser sächsische Verbund aus Neurechten, Rechtspopulisten, Identitären und Nazis kommenden Montag massiv nach Leipzig mobilisieren will. Ihr Ziel ist es, die Wohlfühloase für rechte Stimmungsmache auf ganz Sachsen auszudehnen.“
Also nichts wie hin und gezeigt, auf welcher Seite wir stehen. Schon immer.

4. Flaggentag der Mayors for Peace 08. Juli bundesweit
„Atomwaffen sind unbenutzbar, unmoralisch und illegal. Dies gerade auch und vor allem wegen der weitreichenden Folgen eines Atomwaffeneinsatzes für Mensch und Umwelt. Am 8. Juli 2015 wollen die „Bürgermeister für den Frieden“ in Deutschland zum vierten Mal im 70. Jahr nach dem ersten Einsatz für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen sichtbar Flagge zeigen!
Warum gerade am 8. Juli? Am 8. Juli 1996 hat der Internationale Gerichtshof in einem Rechtsgutachten im Auftrag der Generalversammlung der Vereinten Nationen verkürzt festgestellt hat, dass die Androhung und der Einsatz von Atomwaffen grundsätzlich völkerrechtswidrig sind.“ (www.mayorsforpeace.de)
Über Aktivitäten in Leipzig ist nichts bekannt, aber der Südraum macht vor wie es gehen könnte:
„Oberbürgermeister ruft zur Teilnahme am Flaggentag auf Am Mittwoch, dem 8. Juli, setzt die Stadt Markkleeberg vor dem Rathaus ein Zeichen für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen. An diesem Tag findet der alljährliche Flaggentag der,,Mayors for Peace” (,,Bürgermeister für den Frieden”) statt. Um 15.00 Uhr wird die Flagge der ,,Mayors for Peace” mit der weißen Taube auf grünem Grund gehisst. Markkleebergs 0berbürgermeister Karsten Schütze ruft alle Einwohnerinnen und Einwohner zur Beteiligung am Flaggentag auf . ,,Es wäre ein schönes Zeichen, wenn sich anlässlich des Flaggentages viele Markkleebergerinnen und Markkleeberger zu dieser Aktion vor dem Rathaus einfinden”, sagt Karsten Schütze. ,,Lassen Sie uns gemeinsam ein Zeichen setzen für eine Welt ohne Atomwaffen.” (Markkleeberger Stadtnachrichten). Wir schließen uns der Aufforderung gern an.

5. 70. Jahre Atombombenabwurf auf Hiroshima 05.August ab 22 Uhr
Da noch andere dringende Sachen anstehen, ist hier noch vieles im Fluss. Im wahrsten Sinne des Wortes: angedacht ist die Beteiligung an der Nacht der 70.000 Kerzen. Diese sollen auf dem Elsterflutbecken im Bereich der Sachsenbrücke im Clara-Zetkin-Park eingesetzt werden. Die Idee ist da, nur ist die Zeit schon bereit? Es gibt es noch einiges zu tun und die Personaldecke im Sommerloch macht es nicht leichter. Wer sich in Vorbereitung und Aktion einbringen kann und will, bitte melden.
Infos zur bundesweiten Aktion:
https://www.ohne-ruestung-leben.de/mitmachen/nacht-der-70000-kerzen.html

6. Vorbereitung 1. September
Ein erstes Treffen mit guter Beteligung gab es bereits, angedacht sind die verschiedensten Veranstaltungen um den 1. September herum. Manche eher politisch, andere mehr informativ oder kulturell unterlegt. Ein Programmpunkt soll in jedem Fall die Verleihung des Leipziger Friedenspreises sein. Vorschläge für Preisträgerin oder Preisträger werden unter www.leipzig-gegen-krieg.de engegengenommen. Die Entscheidung fällt wie immer in einem öffentlichen und offenen Treffen, diesmal am 12.08. ab 18 Uhr im Volkshaus, Liebknechtstr. 31- 33

7. War starts here Camp 25. Juli bis 03. August am TÜP Altmark
Wegen der laufenden teilweise Repressalien gegen die Blockade- TeilnehmerInnen des letzten Jahres wird das Camp diesmal etwas anders durchgeführt als gewohnt. Um sich zu informieren, muss mensch ja auch nicht den Platz besetzen. Informieren unter: http://warstartsherecamp.org/

Wie immer: wenn ihr noch was fragen wolltet, traut euch. Wenn ihr eigene Termine habt, her damit.

Ansonsten friedliche Grüße, schönen Sommer und bis dahin
Torsten

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eine Diskussionsbeitrag auf den Aufruf zum “Kritischen Frieden”

Liebe Friedensfreundinnen und –freunde,

Sie halten es für sinnvoll und für die Friedensbewegung erforderlich, zu einer neuen >Friedensinitiative< aufzurufen. Dazu haben Sie einen Gründungsaufruf ins Netz gestellt, der mich veranlasste, diesen Brief zu schreiben. Es wird ein offener Brief im doppelten Sinne sein: ich werde mit meiner Meinung nicht allzu zurückhaltend umgehen und ihn für Interessierte mit der Bitte öffentlich machen, sich so oder so dazu zu verhalten.

>Kritischer Frieden. < Ein Gründungsaufruf Leipziger Bürger_innen. http://kritischerfrieden.blogsport.de/

Versuch einer Antwort:

(Die Originaltexte wurden als Zitate gekennzeichnet. Die Antwort bzw. Bemerkung dazu kursiv gesetzt.)

„Anlässlich der alljährlich stattfindenden Ostermärsche sehen wir den Zeitpunkt gekommen, zu einer neuen Friedensinitiative aufzurufen. Wir sind es leid zu beklagen, dass die Friedensbewegung keine Resonanz findet, obwohl die Sehnsucht nach Frieden und die Angst vor Krieg längst mehrheitstauglich sind.“

Wohl wahr, dass Friedensehnsucht und Kriegsangst mehrheitlich zu Aktionen führen könnten, wenn nicht immer wieder neue Gruppen und Grüppchen mit dem Anspruch auftauchen würden, den >Stein der Weisen< zur Entwicklung einer breit angelegten Friedensbewegung gefunden zu haben. Aber nicht genug damit, werden andere Bemühungen mit anderen Leitbildern aber ähnlichen bis gleichen Zielen diffamiert, falsch interpretiert und Aussortierung aus der Friedensbewegung empfohlen. Ich kenne honorige Persönlichkeiten, die sich der Friedensbewegung zugehörig fühlen und doch angewidert von dieser ideologisch motivierten Besserwisserei, zurückzogen. Der Anspruch der >neuen Friedensinitiative<, mehrheitstauglich zu sein, ist ein Widerspruch in sich und hat deshalb keine Chance. Es wird ein weiterer Akteur sein, der irgendwo herumsteht, mal mehr, mal weniger Leute um sich herum versammelt als die anderen, und glaubt durch Herabsetzung der anderen Einfluss zu gewinnen.

Für uns steht fest, dass die bisherigen Versuche der „Friedensbewegung“ in Leipzig weitgehend als gescheitert angesehen werden müssen.

„Für uns steht fest“. Schon diese Formulierung zeigt, dass die Gründer einer neuen Friedensbewegung nicht von dieser Welt sein wollen. Wenn die Wörter auch im Zusammenhang mit dem vermeintlichen Scheitern der „Friedensbewegung“ gebraucht wurden und deshalb nicht unbedingt falsch sein müssen, leider, zieht sich durch den ganzen Text dieser Geist des: „Es steht fest!“ Es ist ein unseliger Geist, der verhindert, den widersprüchlichen und hochkomplizierten Prozess zu erkennen und zu verstehen, dass auch mit der Friedensbewegung verbundene Menschen zu widersprüchlichen Handeln, Denken und Äußerungen verdammt sind.

„Eine Friedensbewegung, die es nicht schafft, sich von menschenfeindlichen Einstellungsmustern und Verschwörungsideologien abzugrenzen und den Boden für die rassistischen Aufmärsche von Legida mitbereitet hat, hat ihre Legitimationsgrundlage verloren.“

Das ist nun blanke Diffamierung und kann nur gewollte Fehlinformation sein. Die in einem längeren Prozess entstandene Erklärung der trad. Leipziger Friedensbewegung, lässt solche Schlussfolgerungen nicht zu. Nach meiner Einschätzung ebenso wenig die Treffen, die Montags stattfinden und an denen ich ab und zu teilnehme.

Von Montagsmahnwachen bis zu Legida, Friedensbewegung goes Querfront – der ganz rechte Friede.“

Dieser den größten Teil des Aufrufes einnehmende Abschnitt und deshalb wohl als Kern anzusehen,   ist einfach nur infam. In bunter Reihenfolge werden zu kritisierende und zu verurteilende Erscheinungen in der Friedensbewegung der letzten Jahre zusammengemischt und als übles Gebräu der trad. Leipziger Friedensbewegung übergegossen. In diesem Abschnitt sind so ziemlich alle Regeln missachtet worden, die redliche Autoren einhalten würden. Beispiele? Bitte:

„.. Schnell wurden auch Verbindungen in den offen neonazistischen Bereich deutlich. Es kann daher nicht verwundern, wenn immer wieder Personen aus dem Dunstkreis der NPD dort auftauchten,..“

Bei einer öffentlichen Veranstaltung mit offenem Mikrofon kann leider nicht verhindert werden, dass solche Leute mit dabei stehen und sogar zu Worte kommen. Vielleicht war am Anfang das Bemühen um Toleranz größer als die Einsicht, noch deutlicher dagegen aufzutreten. Heute wird so etwas früher unterbunden und es wird dagegen deutlich aufgetreten.

„….Damals wie heute wird der Regierung der Kampf angesagt, die Revolution propagiert und nach außen hin erfolgt eine rigide Abschottungspolitik.

Ja was denn nun? Rigide Abschottungspolitik oder zu offen gegenüber falschen Propheten? Weder wird der Regierung der Kampf angesagt, allenfalls bestimmten friedensbedrohenden und durch die Regierung beschlossenen Maßnahmen – z.B. Waffenexporten, Modernisierung von Atomwaffen in der BRD, „Wehrunterricht“ an den Schulen usw. – noch die Revolution propagiert. Wenn das so behauptet wird, muss die Anwendung der Methode der >Zersetzung< des politischen Gegners vermutet werden. So tief sollte niemand sinken.

„…Gegen Kritik wird sich immuninisiert: Kritiker_innen werden als uninformiert und unaufgeklärt bezeichnet. Dies ist umso mehr verwunderlich, da eines der Sprachrohre der Bewegung angab sein Wissen maßgeblich aus Youtube zu beziehen. ….“

Geraune über Kleinkram und Hinterzimmerinterna. Was für ein Niveau im Gründungsdokument einer Bewegung, die antritt, endlich eine große Friedensbewegung zu werden.

Eigentlich wollte ich noch auf mehr Passagen eingehen, aber ich merke, dass in mir der Zorn hochsteigt und das ist kein guter Ratgeber bei einem analytischen Versuch. Etwas geht aber noch:

„…Es kann für eine Friedensbewegung kein emanzipatorisches Projekt sein, der Homophobie und dem Nationalismus von Putin zu huldigen. …“

Das ist intellektueller Schwulst, verbunden mit primitiver Diffamierung durch Kolportierung von Unwahrheiten über die Leipziger trad. Friedensbewegung. Was für ein Niveau in einer Auseinandersetzung.

Natürlich wird auch nicht auf die ganz große Keule verzichtet, den Antisemitismusvorwurf oder die Nähe dazu:

Statt offensiv menschenfeindliche Einstellungsmuster wie Antisemitismus offen zu thematisieren, werden diese ignoriert, solange wie es gegen den scheinbar gleichen Feind geht: „Amerika“ und das „Kapital““

Was für ein Gründungsdokument, das im Wesentlichen im Angriff auf einen selbst geschaffenen Popanz besteht und in der Diffamierung von potenziellen Mitstreitern.

Unter den Erstunterzeichnern befinden sich Menschen, denen ich bisher gern zugehört habe, auch wenn ich nicht mit ihnen einverstanden sein konnte. Ihre Worte haben Eindruck hinterlassen und wurden erwogen. Kann es sein, dass sie allzu schnell und leichtfertig einem ärgerlichen Impuls nachgegeben haben und sich jetzt dort wiederfinden, wo sie mit ihrem intellektuellen und redlichen Anspruch keinesfalls hingehören?  

Versuch eines Ausblicks:

Da ich weder ein Protagonist oder Organisator der trad. Leipziger Friedensbewegung bin, allenfalls ein >Bei-Steher< im Sinne des Wortes, rufe ich meinerseits zu einer neuen >Friedensbewegung< auf, natürlich nur rethorisch:

Frauen und Männer, die ihr in euch das Bedürfnis spürt, öffentlich zu dokumentieren, dass euch das Spiel der Mächtigen mit dem Feuer große Sorge bereitet, ihr den Frieden durch die Interessen der Globalplayer ernstlich und aktuell bedroht seht, ihr nicht den Glauben verloren habt, dass viele Menschen auf den Straßen den Lauf der Dinge doch in ihrem Sinne beeinflussen können, euch das Gezänk um die wahre Wahrheit in der Friedensbewegung empört und anödet, nehmt euch die Zeit, am Montag auf den Augustusplatz zu kommen, um der Leipziger Friedensbewegung beizustehen.

Man wird doch noch mal träumen dürfen: Hunderttausend Menschen ohne große Fahnen und professionelle Transparente auf dem Augustusplatz und den angrenzenden Straßen, vereint mit dem einzigen Wunsch: >Ohne uns< und >Kein Krieg mit Niemand!<. Und selbst die selbsternannten >Tugendwächter< sind dabei und halten sich zurück.

Mit freundlich-friedlichen Grüßen

Johannes Schroth

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