Offener Brief Leipziger Friedensbewegter an die Couragepreisträger/innen

Offener Brief Leipziger Friedensbewegter
zur Stellungnahme der Courage-Preisträger/innen
Sehr geehrte Courage-Preisträger/innen,
aus verschiedenen vorausgegangen Auseinandersetzungen ist für die im Bündnis Leipzig gegen Krieg tätigen Personen und Gruppen unschwer zu erkennen, dass sich Ihr Aufruf in erster Linie gegen uns und unsere Aktionen richtet. Leider hat sich keine/r von Ihnen die Mühe gemacht, vorab Kontakt zu uns aufzunehmen. Wir sind über diese Entwicklung sehr besorgt und bestürzt, weil sie die ohnehin nicht große Gruppe langjähriger Friedensaktivisten in Leipzig diffamiert und der Friedensbewegung in unserer Stadt erheblichen Schaden zufügt.
Hier ein Abriss der Ereignisse des letzten Jahres: Wir haben in Leipzig an den Montagsmahn-wachen teilgenommen und dort eine große Anzahl von Menschen getroffen, die wie wir über die zunehmende Kriegsgefahr beunruhigt waren und nach Antworten suchten. Mit welcher Absicht wir dieses taten, könnten Sie in der Erklärung „Für eine solidarische Auseinandersetzung mit den Montagsmahnwachen“ vom Mai 2014 nachlesen (https://mikenagler1.wordpress.com/2014/05/19). Einige Mitglieder unseres Zusammenhangs hielten Redebeiträge, andere thematisierten die notwendige Abgrenzung nach rechts auf den Vorbereitungstreffen. Leider wurden wir in unseren Bemühungen, diese Bewegung entsprechend den Ansprüchen der Friedensbewegung zu gestalten, allein gelassen. Daher dauerte es bis Juni 2014, bis es in Leipzig zur Trennung der Mahnwachen kam. Unter anderem verließen uns auch später bei Legida Gelandete. Wir haben unsere Veranstaltungen weiter durchgeführt, weil wir den Menschen, die gegen Krieg und Gewalt Gesicht zeigen wollten, aber mit rechten oder antisemitischen Forderungen nichts gemein hatten, entsprechend der formulierten Ziele ein Podium geben wollten. Mit Sicherheit hat es dabei Schwächen gegeben, aus denen man lernen muss. Nur wer nichts macht, macht nichts verkehrt…
Diese Tatsachen sind den Unterzeichnern der Erklärung bekannt, werden aber völlig negiert. Stattdessen stellen wir fest, dass in einer Form gegen uns Front gemacht wird, die nur als verleumderisch bezeichnet werden kann und die auf die Zerschlagung eines Teils der Friedensbewegung in der Stadt hinaus läuft. Vorwürfe der Zusammenarbeit mit rechten Gruppen werden nur durch ständige Wiederholungen begründet. Erklärungen und mehrfach abgegebene eindeutige Abgrenzungen sowie das bisherige Wirken der Kritisierten werden nicht zur Kenntnis genommen. Gleich einer Gesinnungspolizei wird reglementiert, wann, mit wem und zu welchen Themen Friedensarbeit möglich sei. In Leipzig und anderswo sehen wir den Versuch, eine verdienstvolle Friedensbewegung auszuschalten und deren Mitglieder persönlich zu diffamieren, indem man ihnen ohne jegliche Begründung gemeinsame Sache mit rechten und antisemitischen Kräften unterstellt. Dagegen verwahren wir uns entschieden.
Es stellt sich die Frage: Wem nützt diese Diskreditierung einer gewachsenen Friedensbewegung in Leipzig und der Bundesrepublik? Wir haben den Eindruck, dass es nicht mehr um die ursprünglich gemeinsame Sache – nämlich Erhaltung und Festigung des Friedens – geht, sondern um „Markt-bereinigung“, um die Durchsetzung von Alleinvertretungsansprüchen und um einen politischen Verdrängungswettbewerb, realisiert durch Diffamierung und Desinformation. Es gehört nicht die Spur von Courage dazu, zusammen mit den politisch rechten Flügeln der Parteien und im Gleich-klang mit den meisten Medien gegen uns Leipziger Friedensaktivisten vorzugehen. Courage gehört eher dazu, den militärischen Mißbrauch des Flughafens, die Stationierung und Modernisierung der Atomwaffen in Büchel, die Rekrutierung an Schulen, die Rüstungsexporte in Krisenzonen, die schleichende, zunehmende Akzeptanz von kriegerischen Mitteln als Teil der Außenpolitik, den Aufbau neuer wie alter Feindbilder… scharf zu kritisieren und zu attackieren.
Setzen Sie Ihre wichtige antirassistische Arbeit auch mit uns fort und behindern Sie nicht die Anstrengungen derer, die sich zum Teil seit Jahrzehnten auf den Straßen, den (Truppenübungs-) Plätzen und vor den Waffenschmieden der Militarisierung der Gesellschaft entgegenstellen.
Protestieren Sie mit uns, wenn im Juni beim Leipziger Stadtfest oder der Premiere des „Tages der Bundeswehr“ Kanonenfutter für verfassungswidrige Auslandseinsätze angeworben wird!
Eine notwendige, auch kontrovers geführte Diskussion über Mahnwachen und Friedenswinter sollte zur Stärkung und Aktivierung der Friedensbewegung führen.
Offener Brief Leipziger Friedensbewegter
zur Stellungnahme der Courage-Preisträger/innen
Erstunterzeichnerinnnen und -unterzeichner:
Maritta Frenzel
Dr. Christel Hartinger
Dr. Helga Lemme
Marlis Michel
Harriet Schubert
Ingo Klein
Lutz Metzger
Mike Nagler
Torsten Schleip
Johannes Schroth
Peter Vonstein
Weitere Unterstützerinnen und Unterstützer an:
webmaster@leipzig-gegen-krieg.de
torsten@friedensweg.de

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