Gedichte gegen den Krieg: Freitag

Christel Hartinger (*1941)

Besuch in P. Volkstrauertag

Er steht nahe dem schlichten Westportal der
Kleinen Wehrkirche auf dem Dorfplatz: Der
Gedenkstein. Nicht verwittert, wie damals, vor
Zwei Jahrzehnten, frisch verputzt, mit kräftig
Markierten Inschriften, schwarzweißgolden. Auch
Das steinerne Kreuz oben wurde erneuert.
Auf den Seitenflächen die Namen der
1914/18 und 1939/45 Gefallenen.
Ich lese Paul Schuster und Schuster, Egon
Herbert und Wilhelm Schuster, auf der
Anderen Reihe noch einmal: Schuster, Georg. Und
Wieder: Hofer, Paul und Hofer, Eduard, Hofer, Fritz.
Die Frauen. Die Mütter und Großmütter,
Die Bräute, die Schwestern …
Nachts sah ich mich stehen, verstört, und verstand:
Nicht allein aus der Anzahl gleicher Namen
War es aufgestiegen, das Gedenken, ein
Verehrendes: Alles Patrioten? Alles Helden?
Trauer und Mahnung?
In Zeiten verdeckter globaler
Geschäfte in diesem Land
Welch wirkende Botschaft
Im glänzenden Schwarzweißgold?


Aus: Poesiealbum neu „Gegen den Krieg. Gedichte & Appelle“, Leipzig 2013; auch als Hörbuch unter dem Titel „Schwarze Ängste. Neue Gedichte gegen den Krieg“ erschienen; Leipzig 2013;
herausgegeben von Ralph Grüneberger im Auftrag der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Antimilitarismus, Leipzig, Ostermarsch und getaggt als . Fügen Sie den permalink zu Ihren Favoriten hinzu.

One Response to Gedichte gegen den Krieg: Freitag

  1. Ein wirklich sehr schönes nachdenkliches Gedicht wie ich finde.

Kommentare sind geschlossen.