Gedichte gegen den Krieg: Donnerstag

Andreas Reimann (*1946)

DER FRIEDEN

Vielleicht, wenn er kommt, dann erkenn ich ihn nicht.
Mag sein, daß enttäuscht er die tür aufbricht,
falls ich aus furcht sie verrriegelt hätt.
Vielleicht dann verwechselt mein zeitweiliger geist
das palmenzweigblatt, das im lichte gleißt,
mit einem geschliffenen bajonett.
Viel dunkel hat die nacht gesät.
Daß er bloß nicht vorübergeht!
Es ist schon spät. Es ist schon spät.
Ich weiß, wenn er kommt, schleppt er mühen heran,
und sticht nicht als erstes die weinfässer an,
und liebt uns nicht mehr als wir ihn.
Er läßt dir den vater, den bruder, den sohn.
Das andre mach selber: er hat uns ja schon
das menschenfremdgehn mit dem kriege verziehn.
Viel dunkel hat die nacht gesät.
Daß er bloß nicht vorübergeht!
Es ist schon spät. Es ist schon spät.
Vielleicht, daß er müd wird, wenn keiner ihn sucht.
Vielleicht hat er furcht, er sei abgebucht,
denn weit muß umgehn er das flackernde licht.
Vielleicht, daß er umgeht als du oder ich.
Dann reicht ein gewöhnlicher messerstich,
daß er zusammenbricht.
Viel dunkel hat die nacht gesät.
Daß er bloß nicht vorübergeht!
Es ist schon spät. Es ist schon s


Aus: Poesiealbum neu „Gegen den Krieg. Gedichte & Appelle“, Leipzig 2013; auch als Hörbuch unter dem Titel „Schwarze Ängste. Neue Gedichte gegen den Krieg“ erschienen; Leipzig 2013;
herausgegeben von Ralph Grüneberger im Auftrag der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.

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