Gedichte gegen den Krieg: Dienstag

Ralph Grüneberger (*1951)

Nordhausen, April 1945

Kein heiterer Himmel ist es
Aus dem die Bomben fallen
Die tausendjährige Stadt
Im tausendjährigen Reich zu treffen.
Dabei sah alles so friedlich aus:
Die ausgefachten Häuser und
Türmereien der Kirchen.
Hier gab es früh schon eine
Gleisbahn für die Straßen.
Kauboys probierten den Priem
Für den Weltmarkt.
Wie Gerippe hinter Glas
Erschienen dem Fremden
Die Destilatoren. Was
Die Kornbrenner umsetzten
Führte zu hochprozentigen
Einnahmen des Kämmerers.
Zum Wohl hieß zum Wohl
Der Stadt, die jedoch begann
Sich zu rüsten, die Fahne
Hatte einen Haken und es blieb nicht
Beim Schnaps.
In den Stollen die Höhlenmenschen
Ausgemergelte
In der Kartoffelkäferkluft
Ausgehungert, die Wunder
Waffe herzuzaubern. Goebbels
Sah schon ihren schlanken Leib
In der Stratosphäre
Über London.
V wie Vergeltung
Doch es blieb beim
V wie Verderben.


Aus: Poesiealbum neu „Gegen den Krieg. Gedichte & Appelle“, Leipzig 2013; auch als Hörbuch unter dem Titel „Schwarze Ängste. Neue Gedichte gegen den Krieg“ erschienen; Leipzig 2013;
herausgegeben von Ralph Grüneberger im Auftrag der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V.

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