04. September 2009 – 1. Jahrestag Tanklaster- Bombardierung

Seit 2001 tobt der „Krieg gegen den Terror“ in Afghanistan. Nach den Anschlägen vom 11. September und der Ausrufung des NATO- Bündnisfalls beteiligt sich auch die Bundeswehr erstmals seit Ende des zweiten Weltkrieges aktiv an Kampfhandlungen. Während des Einsatzes kam es immer wieder zu zivilen Opfern deutscher Soldaten bei Kontrollen, bei Hausdurchsuchungen oder kleinen „Missverständnissen“.  

Am 04. September 2009 befahl Oberst Klein, Stabs-Chef der 13. Panzergrenadierdivision Leipzig und zu diesem Zeitpunkt Kommandant des Bundeswehrstützpunktes Kunduz, die Bombardierung entführter Tanklaster durch amerikanische Bomber. Der blutigste Kriegseinsatz der Bundeswehr seit 1945 forderte eine unbekannte Anzahl ziviler Opfer.

Bei diesem Einsatz wurden neben den Richtlinien des Völkerrechts auch interne Vorgaben der Bundeswehr, der NATO und der ISAF verletzt:

– entgegen den Tatsachen wurde an die Einsatzzentrale „troops in contact“, also eine unmittelbare Feindberührung von Bundeswehrsoldaten, weitergegeben

– eine unmittelbare Bedrohung ( imminent threat) des Bundeswehrstützpunktes durch die festsitzenden Tanklaster wurde bestätigt

– die fünfmalige Anfrage des Bomberpiloten, ob die betroffenen Personen durch vorherige Überflüge gewarnt werden sollten, wurde abschlägig beschieden

– die Bitte eines Bomberpiloten, höhere militärische Stellen zur Absicherung des Bombardierungsbefehls einzubeziehen, wurde abgelehnt

– eine Nachfrage, ob gezielt die über hundert Personen zwischen den Tanklastern getroffen werden sollten, wurde positiv beschieden

Nach einer Meldung der LVZ im Dezember 2009 wurde bereits im Juli des Jahres mit Vertretern des Kanzleramtes,  Kriegsminister Jung und Generalinspekteur Schneiderhan sowie Kontaktpersonen des Kommandos Spezialkräfte KSK, der deutschen Geheimdienste  und der CIA eine Eskalation des militärischen Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan vereinbart. Diesem Wunsch kamen die Verantwortlichen vor Ort offenbar umgehend nach.

U.A. wegen der bevorstehenden Bundestagswahl am 27. September 2009 wurden die tatsächlichen Ereignisse zunächst gezielt vertuscht, Untersuchungen u.a. der ISAF massiv behindert und mit deutscher Gründlichkeit verharmlost und abgewiegelt. Nach der Wahl wurden Ex- Kriegsminister Jung und ranghohe Militärs als Bauernopfer weggetreten.

Sämtliche bundeswehrinterne und juristische Verfahren gegen die Beteiligten wurden mittlerweile eingestellt. Die tatsächlichen Vorgänge um die Erteilung des Einsatzbefehles werden wohl nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken.

Wir fordern mit der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung:

Bundeswehr raus aus Afghanistan!

Auslandseinsätze beenden!

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